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Hörtraining & Lippenlesen für Hörgeräteträger

Dank modernen Technologien und der Entwicklung von immer fortschrittlicheren Hörgeräten ist es uns heutzutage möglich, fast alle Arten von Hörminderungen zu behandeln oder zu reduzieren. Doch selbst mit der Hilfe von Hörgeräten kann es für Hörgeschädigte nach wie vor schwierig sein, in komplexen Hörsituationen nicht nur zu hören, sondern tatsächlich zu verstehen. Erfahren Sie, woran dies liegt und wie das Training spezieller Hörsituationen und die Fähigkeit des Lippenlesens Menschen mit Hörminderungen bei der Verständigung im Alltag helfen kann.

Der Unterschied zwischen Hören und Verstehen

Wenn der Mensch ein Geräusch wahrnimmt, so geschieht dies über mehrere Etappen. Zunächst trifft Schall auf die äusseren Bereiche des Ohrs. Die Ohrmuschel leitet diesen in den Gehörgang weiter und verstärkt ihn dabei. So gelangt das Geräusch ins Innenohr, wo Sensoren es in elektrische Nervenimpulse umwandeln. Schliesslich gelangen diese Signale ins Gehirn, wo sie von unseren Synapsen verarbeitet und als Geräusche oder Sprache identifiziert werden. Mehr zur Funktionsweise des menschlichen Ohres erfahren Sie übrigens bei unserer animierten Infografik Das interaktive Ohr .

Damit wir aber vom Hören auch tatsächlich zum Verstehen gelangen, ist es erforderlich, dass alle Teile dieser Kette einwandfrei funktionieren und zusammenarbeiten. Bei einer Schwerhörigkeit treten jedoch oftmals Schwierigkeiten bei der Umwandlung und Weiterleitung der akustischen Signale in Nervenimpulse auf. Dadurch wird ein Teil der Kette unterbrochen, was dazu führt, dass die Synapsen des Gehirns nur noch Teile der eigentlichen Informationen empfangen und verarbeiten können. Unser Gehirn versucht dann, die fehlende Information mit bereits vorhandener zu kompensieren, was manchmal funktioniert, häufig aber in Missverständnissen endet. Fehlen der richtige Kontext und die Erfahrungswerte, können wir schlimmstenfalls sogar gar nichts mehr verstehen.

Verstehen kann trainiert werden

Wenn die Hörnerven und das Gehirn über einen längeren Zeitraum hinweg immer weniger bis gar keine Impulse mehr empfangen, verlernen sie im Laufe der Zeit ihre Funktion und die Hörschwäche wird zur Hörgewohnheit. Da es sich dabei um einen schleichenden Prozess handelt, nehmen die meisten Menschen ihre Schwerhörigkeit viel zu lange gar nicht wahr oder verdrängen sie. Sieben Jahre dauert es im Durchschnitt, bis Betroffene ihre Schwerhörigkeit als Problem identifizieren und einen Spezialisten aufsuchen. In diesen Jahren verlernt ihr Gehirn, Geräusche richtig zu verarbeiten.
Wenn Sie erst nach einer bereits länger andauernden Schwerhörigkeit ein Hörgerät erhalten, führt dies deshalb zwar zu einer Verbesserung der Geräuschwahrnehmung, die Verarbeitung fällt uns jedoch nach wie vor schwer, da unser Gehirn diesen Prozess erst wieder erlernen muss. Durch gezielte akustische Stimulation mittels Hörtraining können sie diesen Prozess beschleunigen und zusätzlich lernen, wie sie Ihre Kommunikationsfähigkeit steigern und Hörsituationen bewusster wahrnehmen können.

Die verschiedenen Elemente des Hörtrainings

Mit dem Tragen eines Hörgerätes ändert sich Ihre gewohnte Hörsituation und die Wahrnehmung von Klängen drastisch. Das Hörsystem optimiert das Klangbild, sodass die verbleibenden Haarsinneszellen auf gewisse Frequenzen wieder reagieren und das Gehirn mit vollständigeren Informationen versorgen können. Geräusche, welche vorher nur schwach oder gar nicht wahrgenommen wurden, werden nun wieder viel mehr Geräusche. Daran kann sich unser Gehirn nur langsam gewöhnen.
In der Regel beginnen Sie beim Hörtraining deswegen mit elementaren Aufgaben. Ein Beispiel hierfür ist die Geräuscherkennung. Dabei üben Sie, ein Geräusch bewusst zu hören, ohne es direkt zu kategorisieren. So werden die Synapsen im Gehirn trainiert und darauf vorbereitet, auch komplexere Aufgaben zu meistern.
Weitere Schritte bestehen darin, die Richtung, aus der ein Geräusch ertönt, zu identifizieren und einzelne Worte und schliesslich ganze Sätze in einer ruhigen Umgebung zu verstehen. Funktioniert dies einwandfrei wird anschliessend trainiert, Sprache auch in lauter Umgebung herauszuhören und verstehen zu können. Diese sukzessive Steigerung der Schwierigkeit erlaubt es den Synapsen, langsam und nachhaltig gestärkt werden. Ziel ist es, dass das Gehirn wieder Fähig ist, die neue Klangvielfalt selektiv wahrzunehmen. Dies bedeutet, dass zwischen wichtigen und unwichtigen Geräuschen differenziert und wieder das ursprüngliche Hörgefühl hergestellt werden kann.
Konkret werden folgende Fähigkeiten aktiv trainiert und gestärkt:

  • Auditive Aufmerksamkeit & Konzentration
  • Hör- & Kommunikationsstrategien
  • Hörimpulse, Worte & Sätze verstehen
  • Selektives Hören
  • Tonhöhen & Tonlagen unterscheiden
  • Ähnlich klingende Worte unterscheiden
  • Artikulation und Sprache
  • Technische Hilfen für Hörgeschädigte
  • Lippenlesen

Wichtig ist auch, dass die Hörgeräte täglich so oft und so lange wie möglich getragen werden. Idealerweise mindestens 8 Stunden am Tag. Und je früher ein Hörverlust behandelt wird, desto besser. Denn dann verlernt das Gehirn noch nicht so viele Geräusche zu interpretieren.

Durch Lippenlesen das Verständnis perfektionieren

Bei den meisten Gesprächen die wir führen, spielen mehrere Sinne gleichzeitig eine Rolle für die Interpretation von Information. Sehen wir unserem Gegenüber beim Reden zu, lesen wir instinktiv und automatisch von den Lippen ab, wobei unser Gehirn diese Information gemeinsam mit den anderen Sinneseindrücken zusammen verarbeitet und interpretiert. Zahlreiche wissenschaftliche Studien beweisen, dass das Lippenlesen bzw. Ablesen die Sprachverarbeitung im Gehirn verstärkt. Hörgeschädigte können sich dies zu Nutze machen und den neuronalen Hörprozess durch Training optimieren.

Dank Training zu mehr Lebensqualität

Obwohl wir unbewusst bereits von den Lippen anderer ablesen, fällt es uns oftmals sehr schwer, dies gezielt und bewusst zu tun. Das liegt daran, dass mehrere Sprachlaute mit demselben Mundbild zum Ausdruck gebracht werden. Der Buchstabe [P] sieht artikuliert sehr ähnlich aus wie ein [B] oder [M]. Die Worte „Mama“ und „Papa“ klingen aus einem Babymund nicht nur ähnlich, sondern sie sind visuell auch beinahe identisch.

Für Hörbehinderte ist es enorm anspruchsvoll, sich über das Lippenlesen zu verständigen, da nur ein Drittel der Sprachlaute visuell unterscheidbar ist. Nur durch das Trainieren von Antizipation, Kombinations- und Konzentrationsfähigkeit können sie einem Gespräch immer besser folgen. Dies erleichtert ihnen nicht nur das Verstehen bei Gesprächen, sondern fördert auch ihre Kommunikationsfähigkeit und schenkt Ihnen so mehr Lebensqualität.

Wenn Sie manchmal Mühe haben Ihr Gegenüber zu verstehen oder die Vögel nicht mehr zwitschern und die Grillen nicht mehr zirpen hören, dann sollten Sie das ernst nehmen. Ein professioneller Hörtest genügt bereits um zu klären, ob mit Ihrem Gehör noch alles in Ordnung ist.

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